{"id":3391,"date":"2015-11-02T12:58:44","date_gmt":"2015-11-02T12:58:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.rockgegenrechts.com\/?p=3391"},"modified":"2015-11-28T13:06:06","modified_gmt":"2015-11-28T13:06:06","slug":"die-anstrengungen-wurden-durch-dankbarkeit-ausgeglichen-ein-erfahrungsbericht-zur-fluechtlingshilfe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rockgegenrechts.com\/?p=3391","title":{"rendered":"&#8222;Die Anstrengungen wurden durch Dankbarkeit ausgeglichen&#8220; &#8211; Ein Erfahrungsbericht zur Fl\u00fcchtlingshilfe"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die derzeit hohe Anzahl neu ankommender Fl\u00fcchtlinge dominiert die Tagespresse. Staatliche Strukturen scheinen \u00fcberfordert, sodass vielerorts Ehrenamtliche die Erstversorgung von Gefl\u00fcchteten \u00fcbernehmen m\u00fcssen. Unten seht ihr einen Bericht eines Stralsunders, der f\u00fcr den Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) in G\u00f6ttingen unterwegs war und dort bei der Einrichtung eines Fl\u00fcchtlingsheimes half. Wir m\u00f6chten damit den Leser_innen deutlich machen, wie einfach und erf\u00fcllend es sein kann, den Menschen praktische Hilfe zu geben.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hiermit m\u00f6chte ich euch einen kleinen Erfahrungsbericht von meinen Erlebnissen bei der Fl\u00fcchtlingsbetreuung in G\u00f6ttingen geben. Am Freitag den 28.08 erhielt ich einen Anruf vom Leiter des Sanit\u00e4tszuges vom ASB, dass wir angefragt worden sind, ob wir eine Sanit\u00e4tsstation in einem Fl\u00fcchtlingsheim errichten und die erste medizinische Versorgung \u00fcbernehmen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da dieser Anruf am sp\u00e4ten Abend gekommen ist und viele vom Sanit\u00e4tszug ihren Arbeitgeber nicht mehr erreichen konnten, sind wir am Samstag Nachmittag mit 3 Mann Richtung G\u00f6ttingen gefahren. Ohne zu wissen, was uns erwartet und mit viel Neugierde, erreichten wir unser Ziel nach gut 7 Stunden Fahrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Fl\u00fcchtlingsheim war eine ehemalige Gesamtschule, die vom ASB vor Ort schon am Freitag f\u00fcr die Fl\u00fcchtlinge hergerichtet wurde. Vom Sp\u00e4tdienst erfuhren wir, dass schon 70 Fl\u00fcchtlinge untergekommen sind und dass am n\u00e4chsten Tag noch weitere 120 Fl\u00fcchtlinge erwartet werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am n\u00e4chsten Tag erreichten nach dem Mittagessen weitere drei Reisebusse mit Fl\u00fcchtlingen die Erstunterkunft. Unsere Aufgabe war die erste medizinische Betreuung der Gefl\u00fcchteten. Am Nachmittag wurde uns eine \u00c4rztin zur Seite gestellt. Die meisten Fl\u00fcchtlinge kamen wegen Erk\u00e4ltungen zu uns, aber es war auch eine Person dabei, die w\u00e4hrend ihrer Flucht misshandelt worden war und Rippenfrakturen davon getragen hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Tag darauf haben wir f\u00fcr die Nachbetreuung unserer Patient_innen gesorgt und 2 Transporte zur Uniklinik organisiert. Der Fl\u00fcchtling mit den Rippenfrakturen musste zum R\u00f6ntgen musste und eine weitere Person wegen Bauchschmerzen zur Sonografie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Versorgung wurde von uns bis zum Mittwoch \u00fcbernommen. Bei unserer Arbeit hatten wir auch gro\u00dfe Unterst\u00fctzung von 2 Fl\u00fcchtlingen, der eine war ein syrischer Arzt, der zur Zeit hier nicht praktizieren darf, aber uns mit seinen Kenntnissen und beim \u00dcbersetzen geholfen hat. Und der andere war ebenfalls f\u00fcr uns als Dolmetscher t\u00e4tig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend der Zeit, in der wir dort t\u00e4tig waren, hatten wir ca. 300 Behandlungen und ca. 20 Krankentransporte zur Uni bzw. Fach\u00e4rzten. T\u00e4glich haben wir eine Dienstzeit von 14 Stunden gehabt und waren \u00fcber Nacht auch auf Rufbereitschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was wir aus unserem Einsatz in G\u00f6ttingen mitgenommen haben, ist die Erfahrung, dass die Anstrengungen durch die sichtbare Dankbarkeit der Fl\u00fcchtlinge ausgeglichen wurde. Freundschaften haben sich entwickelt und man ist mit dem Gewissen nach Hause gefahren, dass man etwas Gutes getan hat. Denn die Leute sind mit wenig hierher gekommen und durch die Leute aus G\u00f6ttingen konnten sie mit dem N\u00f6tigsten versorgt werden. Viele Freiwillige haben bei der Essensausgabe geholfen, Sachen zum Anziehen vorbeigebracht und Deutschkurse f\u00fcr die Fl\u00fcchtlinge gegeben, die auch gut angenommen wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Gro\u00dfen und Ganzen war die Stimmung friedlich &#8211; viele hilfsbereite Menschen und keine ausl\u00e4nderfeindlichen \u00dcbergriffe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die derzeit hohe Anzahl neu ankommender Fl\u00fcchtlinge dominiert die Tagespresse. Staatliche Strukturen scheinen \u00fcberfordert, sodass vielerorts Ehrenamtliche die Erstversorgung von Gefl\u00fcchteten \u00fcbernehmen m\u00fcssen. Unten seht ihr einen Bericht eines Stralsunders, der f\u00fcr den Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) in G\u00f6ttingen unterwegs war und dort bei der Einrichtung eines Fl\u00fcchtlingsheimes half. 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